Einleitung
Es war der Aga Khan IV, der in den frühen 1960er Jahren die karge, nahezu unbesiedelte Nordostküste Sardiniens kaufte, plante und in einen der exklusivsten Küstenabschnitte Europas verwandelte. Costa Smeralda – „Smaragdküste” – heißt das Gebiet, das er nach der Farbe des Wassers benannte, und dieser Name ist keine Übertreibung. Das Wasser zwischen den Granitfelsen und weißen Sandstränden dieser Region hat tatsächlich die Intensität polierter Smaragde: brillant, klar bis auf den Grund, ein Blaugrün von einer Tiefe, die in Mittelmeergewässern ihresgleichen sucht. Die Costa Smeralda ist heute ein Symbol für mediterranen Luxus – und gleichzeitig eine der schönsten Naturküsten Italiens.
Geografie und Landschaft
Die Costa Smeralda im engeren Sinne erstreckt sich über etwa 55 Kilometer Küstenlinie in der Provinz Olbia-Tempio im Nordosten Sardiniens, zwischen dem Hafen Cugnana im Süden und der Spitze bei Baia di Porto Cervo. Die Region wird von massiven Granitblöcken dominiert, die – ähnlich wie auf den Seychellen – durch Jahrmillionen von Erosion zu runden, organisch wirkenden Formen geschliffen wurden.
Zwischen diesen Felsen liegen zahlreiche kleine bis mittelgroße Buchten (cale) mit feinem weißem bis cremegoldenem Sand. Das Wasser ist außergewöhnlich klar – bis zu 20 Meter Sichtweite sind keine Seltenheit –, weil es kaum Flusseintrag und industrielle Verschmutzung gibt. Die Küste ist durch ein striktes Bauverbot weitgehend naturbelassen.
Porto Cervo und die Yachtkultur
Das Herz der Costa Smeralda ist Porto Cervo, ein Hafendorf, das der Aga Khan Ende der 1960er Jahre von Grund auf neu entwerfen ließ – kein gewachsenes Dorf, sondern ein perfekt inszeniertes mediterranes Ambiente mit weißgetünchten Mauern, engen Gässchen und einem Yachthafen, der zu den teuersten der Welt gehört. Im Hochsommer liegen hier Superyachten im Wert von Hunderten Millionen Euro nebeneinander. Das Publikum ist international und wohlhabend – Modeschöpfer, Industrielle, arabische Scheichs und europäische Adlige zählen zu den Stammgästen.
Wer die Atmosphäre von Porto Cervo erleben, aber nicht das entsprechende Budget mitbringen möchte: Der Hafen ist öffentlich zugänglich, und ein Aperitivo an einer der Hafenbars ist durchaus erschwinglich – wenn auch nicht günstig.
Strände
Die Costa Smeralda hat kein einziges großes Strandziel, sondern Dutzende kleinere Buchten, jede mit eigenem Charakter:
- Spiaggia del Principe: Vom Aga Khan selbst als Lieblingsbucht bezeichnet, mit besonders feinem Sand und ruhigem Wasser. Etwas abgelegen, daher weniger überfüllt.
- Capriccioli: Mehrere Badebuchten in einem kleinen Gebiet, ideal für Familien. Einige der schönsten Schnorchelgründe des Gebiets.
- Liscia Ruja: Einer der größten Strände der Costa Smeralda, mit direktem Windexposition – gut für Windsurfer.
- Cala di Volpe: Benannt nach dem gleichnamigen Luxushotel, ruhige Bucht mit türkisem Wasser und weißem Sand.
- Grande Pevero: Zwei benachbarte Buchten mit ausgezeichneter Schnorchelmöglichkeit an den Felsrändern.
Aktivitäten
Schnorcheln und Tauchen
Das klare, nährstoffarme Wasser der Costa Smeralda begünstigt eine reiche Meeresfauna. Seegraswiesen (Posidonia oceanica), Felsbewuchs und Sandstrandübergänge bieten Lebensräume für Brassen, Meerbarben, Oktopusse, Langusten und gelegentlich Delfine. Tauchschulen in Olbia, Porto Rotondo und Porto Cervo bieten Kurse und geführte Dives an. Besonders gute Tauchorte liegen an den vorgelagerten Inseln der Madelena-Archipel (La Maddalena Nationalpark), nur per Boot erreichbar.
Bootsausflüge und Segeln
Die Costa Smeralda ist einer der wichtigsten Segelsportschauplätze des Mittelmeers. Alljährlich findet die Maxi Yacht Rolex Cup und die Rolex Swan Cup in Porto Cervo statt – internationale Regattaveranstaltungen, die das Segelestablishment aus aller Welt anlocken. Charterboote und Tagesausflüge sind in jedem Marina verfügbar; besonders beliebt sind Touren zum La Maddalena Archipel mit Stopps in unberührten Buchten.
Stranden und Strandhopping
Die kurzen Distanzen zwischen den Buchten laden zum Strandwechsel ein. Ein Mietwagen ist hierfür unabdingbar. Wer mehrere Buchten an einem Tag kombinieren möchte, sollte früh starten – in der Hochsaison füllen sich die Parkplätze an bekannten Stränden schnell.
Kulinarik
Sardische Küche ist eine eigene Welt: Culurgiones (mit Kartoffeln gefüllte Pasta), Porceddu (Spanferkel), Bottarga (Meeresfrüchte-Kaviar), handgemachtes Brot und sardische Weine wie den trockenen Vermentino oder den kräftigen Cannonau. In Porto Cervo gibt es Restaurants auf internationalem Sterne-Niveau; in den umliegenden Dörfern authentische Trattorias, die den gleichen Geschmack für ein Bruchteil des Preises bieten.
Anreise
Der nächstgelegene Flughafen ist Olbia (OLB), der im Sommer direkt aus vielen deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten angeflogen wird. Von Olbia sind es etwa 20 bis 40 Minuten mit dem Mietwagen bis zu den ersten Stränden der Costa Smeralda. Ein Mietwagen ist quasi obligatorisch – ohne eigenes Fahrzeug ist die Flexibilität stark eingeschränkt.
Alternativ ist Sardinien per Fähre erreichbar: von Genua, Livorno, Civitavecchia und anderen norditalienischen Häfen nach Olbia, Cagliari oder Arbatax.
Beste Reisezeit
Die Costa Smeralda ist von Mai bis Oktober bereisbar. Die besten Zeiträume:
- Mai bis Mitte Juni und September: Warm, aber deutlich weniger Betrieb. Preise sind günstiger, Strände weniger voll, Wasser bereits angenehm (20–24 Grad).
- Juli und August: Hochsaison – heiß (30–35 Grad), touristisch sehr stark frequentiert, Preise auf Jahreshöchststand. Für Segeltournamente und das mediterrane Sommer-Flair aber unvergleichlich.
Wer Ruhe sucht und die Naturschönheit der Küste genießen möchte, reist am besten im Mai oder September.
Unterkunft
Die Costa Smeralda hat die teuersten Hotelzimmer Italiens. Das Hotel Cala di Volpe, das Hotel Pitrizza und das Hotel Romazzino – alle gebaut im Zuge der Aga-Khan-Entwicklung – gehören zur absoluten Luxusklasse Europas. Wer günstiger reisen möchte, findet in Olbia, Arzachena und den Innenstädten der Halbinsel Bed & Breakfasts und Ferienwohnungen zu moderaten Preisen. Camping ist im Bereich Baja Sardinia möglich.
Tipps und Hinweise
- Frühbuchen: Unterkünfte und Mietautos in der Hochsaison so früh wie möglich reservieren – Juli und August sind mancherorts bereits im Januar ausgebucht.
- Parkgebühren einplanen: Viele Strandparkplätze sind kostenpflichtig; Kleingeld oder Karte bereitlegen.
- Wasserschuhe mitnehmen: Viele Buchten haben steinigen Einstieg; Badeschuhe sind kein Luxus.
- Mückenspray: Abends in der Vegetation können Gelsen (Mücken) lästig sein.
- La Maddalena besuchen: Der Nationalpark der Madelena-Inseln ist nur wenige Kilometer vor der Küste und eines der schönsten Meeresschutzgebiete Italiens – nicht verpassen.
Fazit
Die Costa Smeralda ist mehr als ein Strand – sie ist eine Lebensgefühl. Das smaragdgrüne Wasser, die Granitkulissen, die weiße Architektur von Porto Cervo, die Superyachten und die stillen Winkel unberührter Buchten bilden zusammen eines der aufregendsten Küstenerlebnisse des Mittelmeers. Für Luxusreisende ist sie erste Wahl; für alle anderen ist sie mit der richtigen Planung immer noch erschwinglich – und unvergesslich.